Die Stars kommen zwar aus Montreal, sind aber bei weitem nicht nur das Produkt dieser Stadt. Sänger Torquil Campbell wurde in England geboren und wuchs in Toronto auf. Als er 20 war, zog es ihn nach New York, um dort zu schauspielern. »Ich war dort sieben Jahre«, erzählt er. »Spielte Shakespeare, Shopping and Fucking und so weiter.« Gleichzeitig entstand mit Chris und James die Keimzelle von den Stars in einem Künstler-Loft in Williamsburg. Aber als sie ernsthaft anfingen, Musik zu schreiben, gingen sie zurück nach Kanada. »Denn es gab keine guten Bands aus New York«, meint Campbell. »Weil man seine gesamte Zeit mit einem Job in einem Restaurant verbringen muss, um Geld zu verdienen. Die einzigen Leute, die in guten Bands sind, sind reiche Typen wie die Strokes. Die waren schon Millionäre, bevor sie anfingen.« Und außerdem wurde ihnen Williamsburg zu häßlich und passte so gar nicht zu den wunderschönen Popsongs der Stars. »Wir verspürten keine Verbindung zu dem lauten Art Rock, der dort gerade passierte«, sagt Campbell. »Denn wir hörten die Pet Shop Boys.« Über eine Freundschaft zu den Dears landeten sie schließlich in Montreal. Beim Konzert an diesem Abend wird Campbell Hamburg als seine Heimat auf Tour bezeichnen. »Du kennst hier alles. Die Straßen, dein Bok. Es ist wie zuhause, nur dass du kein Wort versteht, was die Menschen sagen.« Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: »Eigentlich ist es also genau wie zuhause.« Als Engländer im francophonen Montréal. Kurz zuvor gab er Steven Jörgensen ein inspirierendes Interview darüber, wie man die Welt verändert.
Lowdown: Du sagtest einmal: „Wir sind eine Love Song-Band.“ Auf dem neuen Album habt ihr nun zwei politische Songs. Wie passen diese beiden Welten zusammen? Torquil: Alle Popbands sind Lovesong-Bands. Die meisten Lieder in dieser Welt werden über Liebe oder den Mangel an Liebe geschrieben. Für mich bleibt das Hauptproblem in der Welt der Politik weiterhin die Liebe. Man kann diese beiden Dinge nicht trennen. Die persönliche und die politische Welt werden von den gleichen Regeln bestimmt. Menschen leiden aus den gleichen Gründen. Denn wir behandeln uns gegenseitig nicht richtig. Ich denke, dass das Album „Set Yourself on Fire“ die Verbindung von dem, was du zu deinem Nächsten tust und dem, was die Menschen in der Welt sich gegenseitig antun, behandelt. Es gibt diese starke Verbindung. Man kann nicht über gesellschaftliche Veränderungen, soziale Revolution oder soziale Gerechtigkeit sprechen, weil jede tiefgreifende Veränderung, die einen Wert hat, darauf basieren wird, dass wir gut zueinander sein müssen und einander vergeben. Ob das nun dein Liebhaber oder ob es Nationen sind, die Themen bleiben die selben.
Lowdown: Krieg ist also nur begründet im Mangel an Liebe. Torquil: Es ist ein Vakuum. Es ist eine Leere. Es ist in sich keine Sache. Es ist der Mangel an etwas. Künstler wie Curtis Mayfield oder Marvin Gaye, viele Soul Musiker, schrieben Liebeslieder, aber sie schrieben gleichzeitig über die Gesellschaft. Sie waren religiöse Menschen. Ich bin nicht religös, aber ich glaube an die Liebe. Es ist die höhere Macht.
Lowdown: In einer spirituellen Art und Weise? Torquil: Absolut. Liebe ist unser Geist. Es ist die Sache, die wir alle schlussendlich wollen. Ihre Präsenz oder ihr Fortbleiben kontrolliert unser Leben. Je mehr Liebe du hast, umso leichter wird das Leben. Und umgekehrt. Für mich gibt es keinen Unterschied. Sie sind das gleiche. Man schreibt Liebeslieder, egal, was man tut. Wenn man ein menschliches Wesen ist und Kunst schafft, wird man irgendwann zwangläufig über Liebe sprechen. Familienliebe, Liebe in der Freundschaft, romantische Liebe, sexuelle Liebe. All diese Formen.
Lowdown: Positiv wie negativ. Sie kommt und sie geht. Torquil: Und wie sie alles kontrolliert, was wir tun. Ich kann nur annehmen, dass Osama Bin Laden und George Bush das tun, was sie tun, weil sie keine Liebe in ihrem Leben haben. Ich kann keinen anderen Grund sehen. Höchstens, dass sie einfach böse sind. Aber es muss einen Grund geben.
Lowdown: Bösartigkeit kann von Frustrationen herrühren. Torquil: Ich habe George Bushs Mutter gesehen und glaube nicht, dass sie eine sehr liebende Person ist. Das ist wahrscheinlich, wo alles begann beim armen, alten George. Und ich bin sicher, dass Osama Bin Ladens Vater auch keine Spaßkanone war. Seltsam, dass sie befreundet sind.
Lowdown: Wie würdest du deine politische Gesinning bezeichnen? Torquil: Auf jeden Fall: anti-politisch. Ich habe wirklich begonnen, Politik zu hassen und verachten. Es ist ein nutzloses System. Und ich glaube nicht, dass durch es jemals eine wirkliche Veränderung kommen wird. Echte Veränderung passiert durch Menschen, die auf die Straße gehen und anders handeln. Ich verabscheue Politiker. Ich verabscheue Kommunisten. Ich verabscheue Kapitalisten. Ich verabscheue Faschisten. So ziemlich jeden, der denkt, dass er die Menschen so manipulieren kann, dass sie ihm Macht geben. Ich bin also anti-politisch. Aber ich glaube daran, dass der Reichtum umverteilt werden sollte. Dass die Reichen aus ihren Häusern fliegen und arme Menschen dort leben. Ich denke, ich bin wohl ein radikaler Sozialist. Pazifistischer, radikaler Sozialist.
Lowdown: Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Albumtitel „Set Yourself On Fire“? Torquil: Ich fand es irgendwie lustig. Aufregend. Ich denke, es fasst zusammen, was wir in dieser Band machen. Wenn man uns nicht mag, dann weil wir so vollkommen offen mit unseren Gefühlen und unserer Menschlichkeit sind. Wir denken nicht, dass wir cool sind. Und wir wollen das auch nicht sein. Wir wollen verstanden werden. Wir wollen mit den Menschen verbunden sein. Wir wollen sie spüren und sie sollen uns spüren. Wenn es eine Philosophie bei uns gibt, dann dass man sein eigenes Ego zerstört. Man muss aufgeben, womit man sich selbst schützt, wenn man mächtig sein will. Wenn man eine Waffe einsetzen will. Das gefährlichste und mächtigste, was man in der Welt tun kann, ist sich selbst einzugestehen, wer man ist und um Vergebung zu bitten. Und die Menschen einfach zu lieben. Gleich, wer sie sind. Das Symbol, sich selbst anzuzünden, sich selbst zu zerstören, um wiedergeboren zu werden. Daran glauben wir. Und wenn man sich verliebt, ist das auch, als ob man sich anzündet. Man gibt auf, wer man ist und man wird ein neuer Mensch, der für das Glück einer anderen Person verantwortlich ist. Ein treuer, guter, gütiger Liebhaber. Man muss dafür seine egoistische Seite sterben lassen. Man kann nicht davon entkommen, kleine Teile von sich aufzugeben. Und ich denke, dass all diese Bands, Broken Social Scene, Metric, The Dears, auch wenn sie mir niemals zustimmen würden, genau dies verkörpern. Wenn Kevin von Broken Social Scene singt „It‘s all gonna break“, dann meint er dies. Alles muss einmal enden, in Ruinen liegen, aber wir machen es trotzdem. Weil es nichts anders gibt. Und verlieren, das ist das, was man will. Denn wer will der Sieger sein? Sie sind so uninteressant. Sie kontrollieren das Spiel. Es liegt viel Stärke darin, schwach zu sein.
Lowdown: Gibt es für dich ein ultimatives Liebeslied? Torquil: „Tracks of my Tears“ von Smokey Robinson ist auf jedenfall eines der größten Liebeslieder, die jemals geschrieben wurden. Aber es gibt so viele. Love Will Tear Us Apart. Das gesamte Album „Here, My Dear“ von Marvin Gaye. Jedes Wort davon. So viel Soul-Musik. Meine Werke sind überhaupt nicht so, aber als Zuhörer und als Mensch ziehe ich daraus sehr viel Inspiration. Viel Begeisterung. Aus der Reinheit der Gefühle, der Einfachheit der Botschaften und die Komplexität der Musik. Die Kombination dieser Dinge inspirieren mich sehr und sagen mir etwas über Liebe. Romantische Liebe. Sie ist sehr gewöhnlich. Es geht darum, jemanden ficken zu wollen. Aber sie ist gleichzeitig auch sehr heilig. Du fühlst diese spirituelle Verbindung. Auch wenn du sie nur ficken willst. Soul Musiker wie Curis Mayfield, Marvin Gaye und Donny Hathaway machen diesen Widerspruch greifbar. Man will fast gewaltätig gegenüber einer Person werden, aber gleichzeitig hebt man sie in den Himmel. Das ist sehr wahr. In meiner eigenen Weise versuche ich über diese Dichotomie zu schreiben.
Lowdown: Du schreibst sehr detaillierte Texte. Woher kommen die Inspirationen? Wirkliche Erlebnisse? Oder denkst du nur, dass mehr Details die Texte authentischer machen? Torquil: Das ist wahr. Das Detail ist für mich eine Art Trick. So bekommt der Text eine Greifbarkeit. Und eine Alltäglichkeit. Denn an was erinnert man sich? Es sind nicht immer die wichtigsten Dinge. Oft Kleinigkeiten. Wie etwa bei „Dry Your Eyes“ von The Streets. Das ist ein großartiges Beispiel, wie man eine Reihe scheinbar bedeutungsloser Gesten nimmt und feststellt, dass sie alles sagen, über das, was in diesem Moment passiert. Wenn man Texte schreibt, hat man nur einen geringen Zeitraum, um etwas auszudrücken. Deshalb muss man Dinge auswählen, die sofort etwas beim Zuhörer auslösen. Wenn man zu vage bleibt, wird der Text schnell zu einem Klischee. Immer wieder das gleiche. Für mich ist es wichtig, große sentimentale Ideen neben recht lustige, nicht so schwerwiegende Dinge zu stellen. Das Leben ist nicht so ernst, auch wenn man schreckliche Dinge durchlebt. Auch dann entdeckt man noch alberne Momente.
Lowdown: Wie schreibt ihr Songs? Torquil: Es beginnt mit Evan und Chris. Mit einem Riff. Den spielen sie stundenlang. Und dann schreiben Amy oder ich Texte dazu. Ich schreibe ziemlich schnell, manchmal nur 20 Minuten. Amy nimmt sich viel mehr Zeit. Sie beansprucht eine Idee und arbeitet daran dann zwei, drei Wochen daran. Ich bin dagegen ziemlich faul. Ich habe nicht so viel Respekt für Popsongs. Die gibt es im Dutzend. Für mich funktioniert es nicht anders. Würde ich sie respektieren, dann hätte ich Angst, dass sie verschwinden würden. Ich muss sie als flach ansehen. Wie ein Kreuzworträtsel. Wäre es anders, würde ich in einem schwarzen Loch verschwinden. Ich habe schon meine Schauspielerei zu sehr analysiert. Ich möchte nicht, dass es mit meiner Musik passiert.
Lowdown: Wie sehr beeinflusst deine Schauspiel-Vergangenheit deine Musik? Auch auf der Bühne? Torquil: Viel. Ich bin ein Schauspieler, also beeinflusst es meine Persönlichkeit und wie ich auftrete. Ich bin ein Geschichtenerzähler, weil ich als Schauspieler Dinge auf Basis von Charakteren verstehe. Was passiert mit einer Figur? Ich finde es schwer, abstrakt zu schreiben. Ich bin besser, wenn ich spezifisch bin und narrative Stories erzähle. Ich komme aus einer Schauspieler-Familie. Bei anderen Kunstformen hat man den Vorteil obskur zu bleiben. Aber als Schauspieler ist deine einzige Mission, klar zu machen, was du versuchst zu sagen und was die Geschichte ist. Du bist kein kreativer Künstler, du bist ein interpretativer Künstler. Es macht keinen Sinn, es noch obskurer zu machen als es ohnehin schon ist. Deine Aufgabe ist es, etwas Undurchsichtiges dem Publikum zu vermitteln und dem ganzen Struktur zu geben. So gehe ich an meine Kunst heran. Weil ich es so kann, nicht unbedingt, weil es der richtige Weg ist. Denn ich finde Obskurität schön und ich wünsche, dass ich so sein könnte.
Lowdown: Auf der Theaterbühne hast Du zum einen Klassiker wie Shakespeare gemacht. Zum anderen modernes Drama wie Mark Ravenhills „Shopping and Fucking“. Das ist ziemlich radikal. Hast du das in die Musik übernommen? Torquil: „Shopping and Fucking“ war für mich eine sehr große Sache. Denn es hat mich gelehrt, wieviel Schönheit in absoluter Dunkelheit existieren kann. Ich glaube, dass dieses Stück sehr viel Mitgefühl und Moral enthält. Es geht darum, der Person, die man liebt, treu zu sein. Und dass Liebe alles übernimmt. Egal, wie verdammt dunkel und freudlos die Welt auch sein mag. Es gibt immer die Möglichkeit, dass man sich gegenseitig liebt. Ganz gleich wie ekelhaft und abstoßend man ist. Wenn dir jemand vergeben kann, kann er dich auch lieben. Das ist zu einem großen Thema in unserer Musik geworden. Es hat mir geholfen, das zu kristallisieren. Es ist auch ein sehr englischer Standpunkt. Und ich bin ja Engländer. Ich habe immer einen sehr englischen Standpunkt angenommen. Dieses Stück hat mir klargemacht, dass man es etwas Anrüchiges, Schockierendes und sogar Hässliches machen kann, das einen Kern der Schönheit und Vergebung hat. Bei uns ist das so. Die Musik ist sehr lieb und leicht zu hören. Und die Texte sind sehr dunkel und oft pervertiert und verdreht.
Lowdown: Ihr werdet immer mit den Smiths in Verbindung gebracht. Wo kommt deine Begeisterung für sie her? Torquil: Als ich zwölf war, habe ich in einem Tennis Club gearbeitet. Da war ein Typ der Manager, der dort nur unter der Bedingung arbeitete, dass er die Musik auswählen durfte, die im Club gespielt wurde. Er liebte Musik und hat mich mit fast aller Musik, die mir wichtig wurde, in Verbindung gebracht. Wie Billy Bragg, The Smiths, Elvis Costello, The Clash, New Order und Echo & The Bunnymen. Als ich zum ersten Mal die Smiths hörte, habe ich sie sogar noch gehasst. Alle Lieder klangen gleich. Ich konnte nicht verstehen, warum Morrissey immer nur in einer Tonlage sang. Und warum er stets traurig war. Sie waren eine extrem gehypte Band. Deshalb hatte ich ein natürliches Misstrauen. Und langsam wurden sie zur wichtigsten Sache in der Welt für mich. Und das ist so geblieben. Sie haben ein Niveau erreicht, an das niemand mehr rankam. Davor oder seitdem. Und nur die Beatles sind eine ähnliche Inspiration. Es schien so leicht, fast mühelos. Es floss einfach aus ihnen heraus. Jede Melodie, jeder Text, jede Gitarrenlinie. Alles war voller Leidenschaft. Ich höre sie immer noch und vergleiche sie mit aktuellen Bands. Wenn die Smiths heute rauskommen würden, würde sie die verdammte Welt übernehmen. Sie haben die Musik verändert. Es ist so viel besser als alles, was danach kam. Fast traurig.
Lowdown: Welches ist deine liebste Smiths-Platte? Torquil: Ich denke Strangeways Here We Come. Aber auch Hatful Of Hollow ist großartig. Sie haben aber so viel rausgebracht, dass ihre ganze Karriere wie eine große Platte für mich ist. Heute würde ihnen keiner mehr erlauben, überhaupt so viele Platten aufzunehmen.
Lowdown: Ist Montreal eine inspirierende Stadt? Torquil: Sehr. Du bist ein Fremder in deiner Heimatstadt. Als englischsprechender Mensch bist du nicht mit den Geschehnissen verbunden. Das hat auch sein Gutes, denn du kannst dich von allem isolieren und deine eigene Welt erfinden. Aber man kann auch die Nähe zur francophonen Welt suchen. Es ist eine kosmopolitische Weltstadt. Die Einwohner lieben Kunst und fördern sie. Es ist auch sehr günstig und man muss nicht viel arbeiten, um zu überleben. Sie sind den Franzosen nicht unähnlich, weil sie die Arbeit hassen. Also sitzen alle nur rum, leben das Leben und betrinken sich. Und es ist so verdammt kalt, dass man sechs Monate lang nicht raus kann. Da schafft man viel Arbeit. Man kann sich gut konzentrieren. Es ist ein romantischer, trauriger Ort. Die Stadt musste ihre gesamte Geschichte mit dieser Zwiegespaltenheit kämpfen. Sie ist in Kanada, aber kein echter Teil des Landes. Diese komplizierte Natur ist inspirierend. Montreal ist Hamburg nicht unähnlich. Für mich ist Hamburg die entspannteste und ungermanischste von allen deutschen Städten. Sehr Laissez-faire. Ein wenig anrüchig. Montreal ist auch etwas gesetzloser. Was mir gefällt.
Interview Most Serene Republic: "Wir wollen etwas Dummes schreiben."
Sie sind die Adoptivkinder der Arts&Crafts-Familie. »Sie nennen uns die Punk Kids, aber es ist lieb gemeint«, sagt Emma. Drei Mitglieder sind 23, drei gerade mal 20. Ihren Ursprung hat die Most Serene Republic aus dem Ort Milton in der Provinz Ontario. Vor kurzem kam in Deutschland ihr erstes Album „Underwater Cinematographer“ raus. Doch im Band ist die Band schon zwei Schritte voraus. Im Treppenhaus des Übel & Gefährlich sprach Steven Jörgensen mit Gitarristin Emma Ditchburn und Drummer Adam Nimmo.
Lowdown: Wie seid ihr auf Arts & Crafts gekommen? Adam: Ich habe irgendwann eine E-Mail an die allgemeine Adresse geschickt. So um drei Uhr nachts. Und schon am nächsten Tag schrieb Jeffrey zurück und sagte, dass ihm sie Songs gefallen und bat mich, ihm eine CD zu senden. Sie haben uns dann bei der Music Week in Toronto live gesehen. Und danach war es wie bei einer Kettenreaktion. Und einen Monat später haben wir den Vertrag unterschrieben. Emma: Eigentlich haben sie schon am ersten Tag gesagt, dass sie uns rausbringen wollten. Es gab nur noch viel Papierkram, der alles aufgehalten hat. Adam: Bevor ich ihn überhaupt getroffen hatte, habe ich ihn angerufen und er sagte sofort: ich liebe die Platte. Es war toll, von Anfang an so viel Unterstützung zu bekommen. Es war alles so ein Glückstreffer. Ich habe einfach eine Mail geschickt.
Lowdown: Wie ist die Atmosphäre bei Arts & Crafts? Wie bei einer Familie? Emma: Oh ja. Und manchmal wie an einer High School. Adam: Sie stellen musikalische Integrität über das Geschäft. Emma: Alle sind sehr natürlich und echt. Adam: Sie sind wir Geschwister oder Eltern. Und jede Band sind deine Freunde. Emma: Und sie machen es schon viel länger als wir, also kann man viel lernen. Es ist, als hätte man einen Mentor.
Lowdown: Kümmern sich manche Bands besonders viel um euch? Adam: Stars haben uns wohl am meisten beeinflusst. Sie waren als erstes mit uns auf Tour. Wir wussten nicht so recht, was auf uns zukommen würde. Sie haben uns gut betreut. In zehn, elf Tagen haben sie uns so viel beigebracht. Deswegen ist es so schön, hier in Deutschland wieder mit ihnen auf Tour zu sein. Emma: Wir sind in diesem Jahr so viel erwachsener geworden. Wir sind eigentlich immer in Bewegung gewesen.
Lowdown: Spürt ihr zusätzlichen Druck, weil ihr die erste Band auf dem Label seid, die nicht aus dem engen Kreis von Arts & Crafts kommt? Emma: Ich glaub, am Anfang haben wir den Druck bemerkt. Adam: Gleich zu Beginn haben wir all diese Interviews mit den großen Zeitungen in Toronto gehabt und alle haben uns gesagt, wie groß der Druck auf uns sein müsste. Als erste Band, die jemals einen Vertrag bei diesem großen Label bekommen hat. Wir waren darum etwas Besonderes. Aber dann wurde uns bewusst, dass sie uns unter Vertrag genommen haben, weil wir so sind, wie wir sind. Emma: Natürlich spüren wir den Druck, dass wir bestimmte Erwartungen erfüllen wollen. Aber wir mussten nicht zu etwas werden, was wir nicht sind. Adam: Arts & Crafts ist ja kein Major Label. Es ist ein Indie Label, dass alles, was an Major Labels gut ist, für sich nutzt und das schlechte weglässt. Und es hat noch seine Würde. Sie sind so klug. Jeff hat bei Virgin gearbeitet, als er 18 war und er hat so viel über die Major Label-Mentalität gelernt und hat es alles für das Indie-Label übertragen.
Lowdown: Ihr wart vor ein paar Monaten als Support von Broken Social Scene hier. Was hat sich für euch seit diesem letzten Auftritt in Hamburg verändert? Adam: Wir haben unser Mini-Album „Fages“ rausgebracht. Das bekommt man nur auf Tour oder über unsere Webseite. Wir waren daheim, haben etwas entspannt. Es waren ja nur wenige Monate dazwischen. Wir haben eine Nordamerika-Tour gemacht, mit South By Southwest.
Lowdown: Wie alt ist Underwater Cinematographer inzwischen? Adam: In Kanada kam es auf Arts & Crafts Ende Juni 2005 raus. Davor war es schon einmal im November 2004 auf einem kleineren Label rausgekommen. Aufgenommen wurde es aber schon im Sommer davor.
Lowdown: Wieviele neue Songs habt ihr seit dem ersten Album aufgenommen? Wieviele von der EP spielt ihr live? Emma: Wir spielen fast alle Songs von der EP. Adam: Es ist eine EP mit acht Songs. Dann gibt es noch einen weiteren auf einer Split-Single 7“. Und einen auf der Japan-Version des Albums. Emma: Wir haben also neun neue Songs. Adam: Und davon spielen wir meist vier live. Als Headliner spielen sechs.
Lowdown: Gehen die in eine neue Richtung als das erste Album? Adam: Ja sehr. Es gibt eine höhere Anzahl verschiedener Takte. Es sind viel kompliziertere Songs. Emma: Mehr Energie. Schneller. Adam: Und wenn man sich die Platte anhört, kommt es der Live-Show viel näher als „Underwater Cinematographer“. Die großen Gesten des Albums wurden unserer Live-Show nicht gerecht, weil es ein sehr stark durchproduziertes Album war. Fages ist so, wie wir live sind.
Lowdown: Hat es die Lieder verändert, dass ihr sie viel live gespielt habt? Emma: Wir hatten die Lieder auf Fages schon viel live gespielt, bevor wir sie aufgenommen haben. Deshalb kommen sie der Live-Show sehr nahe. Bei den Songs auf Underwater war es so, dass wir sie aufgenommen haben und dann erst noch einmal wieder lernen mussten, wie man sie spielt. Denn es gab so viele Ebenen und so viel Details. Jetzt haben wir die Lieder für die Live-Show geschrieben. Adam: Wir haben vielleicht noch Kleinigkeiten verändert, aber nicht mehr viel.
Lowdown: Die Lieder sind sehr komplex. Wie setzt ihr sie live um? Emma: Bei Underwater mussten wir sie etwas straffen, weil es durch die Produktion natürlich Gitarren-Teile gibt, die man nicht nachspielen kann. Aber sonst ist es ziemlich gleich. Adam: Wir haben das Album so geschrieben, dass man es noch live spielen. Das schwerste an Underwater ist, dass es zu viele Instrumente und so viele Leute gibt. Emma: So viele Gitarren-Teile sind übereinander gelegt. Deshalb haben wir jetzt noch einen neuen Gitarristen dazugeholt. Wir treten jetzt mit drei Gitarren auf. Er heißt Sean Woolven. Adam: Er ist schon länger ein Teil der Band. Er hat auf ein paar Tracks von Underwater Schlagzeug gespielt. Ich habe bei sechs Lieder getrommelt.
Lowdown: Wenn ihr Songs schreibt, beginnt dann alles mit Keyboarder Ryan Lenssen? Oder ist die ganze Band involviert? Adam: Es hat sich mehr dazu entwickelt, dass die ganze Band einen Teil dazu beiträgt. Es beginnt mit einer generellen Idee, aber die Struktur und so weiter wird von allen gemacht. Underwater begann komplett mit einer Idee von Ryan. Er hat auch das Album produziert. Er hatte viel mehr Zeit, um an diesem Album zu arbeiten als bei Fages. Bei Fages brachten alle etwas ein. Es war ein großartiges Gruppenerlebnis. Sechs Menschen schreiben einen Song, alle in einem Keller. Emma: Ryan brachte die Akkordfolge und dann haben wir gejammt, bis wir etwas fanden. Adam: Wir hatten nur neun Songs und wollte nicht so viele Lieder vom ersten Album live spielen. Deshalb haben wir sehr schnell, sehr viel geschrieben. Emma: Es gab auf jeden Fall Zeitdruck. Aber das hatte positive Auswirkungen. Für die Aufnahmen des Mini-Albums haben wir nur eine Woche gebraucht. Sie waren fertig geschrieben.
Lowdown: Wo probt ihr und nehmt auf? Adam: In Ryans Keller. Dort wurde auch Underwater aufgenommen. Und mit der Ausrüstung haben wir Fages in seinem Landhaus aufgenommen. Und das neue Album wird wohl auch dort aufgenommen. Es ist eine angenehme, gemütliche Atmosphäre. Alle kennen sie, alle haben ein warmes Gefühl. Und es hat eine gute Akustik. Emma: Und Fages klingt nicht so, als wäre es in einem Landhaus mit Schaufeln an den Wänden aufgenommen worden. Es klingt viel professioneller als Underwater. Adam: Und Tücher die herumhingen und Soundproofing darstellen sollten. Keine Klimaanlage, keine Luftbewegung. Nur reiner Schweiss. Emma: Das Landhaus ist in einem National-Park. Adam: Etwa zwei Stunden nördlich von Toronto in der Cottage Country. Milton ist 40 Minuten westlich von Toronto. Cottage Country ist sehr schön, weil es so ruhig ist. Man ist komplett vom Rest der Welt abgeschnitten. Und am letzten Tag sagte ich, dass ich noch nie das Nordlicht gesehen haben. Und genau in dieser Nacht war es da. Wenn wir noch in Ryans Keller aufgenommen hätten, hätten wir das nicht gesehen.
Lowdown: Die Texte schreibt alle Sänger Adrian Jewett? Emma: Ja, wir überlassen ihm eigentlich alles. Wir vertrauen seiner kreativen Verrücktheit. Adam: Da geht irgendetwas in seinem Kopf vor sich. Und darauf verlassen wir uns. Emma: Er erklärt sie uns eigentlich nie, aber ich habe mich langsam in sie eingelesen und habe mein eigenes Verständnis von ihnen. Seine Texte fließen einfach aus ihm heraus. Es hat wohl viel mit dem Unterbewussten zu tun. Aber jeder wird seine eigene Bedeutung herauslesen. Adam: Sie machen nicht immer Sinn. Aber er hat eine Formel im Kopf. Emma: Ich hoffe, dass ich mehr Input bei den Texten des nächsten Albums habe, weil ich mehr singen möchte. Beim ersten Album war da noch nicht dabei, also konnte ich nicht eingreifen.
Lowdown: Schreibt er die Texte während ihr probt? Adam: Er entwickelt vielleicht Ideen. Aber die meisten Texte entstehen bei den Proben. Wir haben eine Grundstruktur und er sucht eine Melodie. Emma: Bei Fages hat er sich sehr angestrengt, besonders aufwändige Melodien zu schreiben. Da hatten er und Ryan einen kleinen Wettstreit.
Lowdown: Betrachtet ihr euch als Musiker, die mit Konventionen brechen wollen oder möchtet ihr Neues erfinden? Anarchie oder eine besondere Form von Kreativität? Adam: Es ist kontrollierte Anarchie. Emma: Falls du fragst, ob wir bewusst anders sein wollen, dann ja. Adam: Wir wollen nie ein Lied schreiben, das wie ein anderes klingt. Wir wollen etwas Dummes schreiben. Manche mögen das als Beleidigung sehen, aber ich meine, dass es etwas Lächerliches ist, das eigentlich keinen Sinn ergibt, aber dann gibt es doch einen Sinn. Wir wollen die Zuhörer verblüffen und auf dem falschen Fuß erwischen. Emma: Der Song, den wir auf die Split-Seven-Inch getan haben, hatten wir eigentlich schon fertig aufgenommen. Aber dann hat Ryan, die Spuren noch einmal durcheinander gebracht und hat verschiedene Stücke zusammengesetzt. Das ist verrückt, ich weiß nicht, wie er das gemacht hat. Die Intro-Gitarre war irgendwo in der Mitte.
Lowdown: Gibt es eine politische Dimension in eurer Musik? Emma: Indirekt schon. Politik sagt viel über das soziale Leben aus. Und ein Großteil unserer Kreativität kommt von Frustration darüber, wie die Welt aussieht. Man kann zwar nicht etwas aus unseren Texten herauslesen. Adam: Ich kann meine Frustrationen am Schlagzeug rauslassen, aber nicht wirklich eine Botschaft rüberbringen. Aber die Frustration ist da. Wir sprechen darüber und sind wütend.
"Wir wollen die erfolgreichen Beastie Boys sein."
We Are Scientists im Interview:
bei we are scientists liegen realität und fiktion stets nah beieinander. schon ihr bandname ist ja ein widerspruch in sich. sitzt man den drei kerlen aus new york dann in der sitzecke ihres bandbusses gegenüber, scheitert meist der versuch die wenigen worte wahrheit aus ihren antworten herauszusortieren. gitarrist chris cain und sänger keith murray verbarrikadieren sich gerne in einer humorösen scheinwelt, drummer michael tapper kommt zumindest gelegentlich in die realität.
das vertreibt 20 minuten zwar wie im fluge, doch der informative gehalt des interviews für die allgemeinheit verfliegt in der albernheit. so wird dieses gespräch zur belustigung dokumentiert und immer wieder mit wahrheit angereichert.
Lowdown: habt ihr eine erklärung, warum england besser auf eure musik anspricht als eure heimat usa?
keith: sie konnten nur früher darauf anspringen, weil wir dort unser album sechs monate früher rausgebracht haben. sie hatten mehr zeit, es zu verdauen. wir haben außerdem mehr singles rausbringen können. hoffentlich hat das ganze nichts mit dem geschmack zu tun, sondern nur mit der verdauung.
michael: in england gibt es einen markt für singles. man bringt zwei, drei singles raus, bevor das album kommt. in den usa ist es andersherum. da kann man keine singles rausbringen, wenn man noch kein album veröffentlicht hat. und eine andere art der rock musik als unsere ist in den usa mehr der mainstream. viel emo und so. ansonsten gibt es hauptsächlich hip hop und rnb.
Lowdown: wie wichtig ist es für euch, die usa mit eurer musik zu erobern? chris: inzwischen ist uns das total egal. nun da wir deutschland vollkommen in unserer hand haben. was kümmern uns da noch die usa? jetzt geht es nur noch darum, george bush eins auszuwischen. keith: es wäre einfach schon, bush einen reinzuwürgen. eevolver club: dann solltet ihr mit euree musik in den irak gehen. chris: das ist wahr. wir sollten die irakis auf unsere seite bringen.
(we are scientists wurden 2000 in kalifornien gegründet. 2001 flüchteten sie nach new york, wo sie in einem haus von verwandten unterkamen. danach tourten sie wie verrückt und brachten zwei weitgehend unbeachtete und nach eigener aussage eher stümperhafte alben raus. entdeckt wurden sie schließlich beim south-by-southwest-festival in texas vom englischen radio-dj steve lamacq. der spielte ihre lieder erst rauf dann runter und schon bald hatten sie einen plattenvertrag mit virgin sicher. während england sich teilweise überschlägt, ist in den usa noch nicht soviel begeisterung aufgekommen)
Lowdown: wie wurdet ihr umworben, bevor ihr einen plattenvertrag unterschrieben habt? chris: autos wurden uns fast jeden tag per post geschickt. viel gratis-kaffee. einmal etwas frucht-brotaufstrich. aber den gabe es erst, nachdem wir unter vertrag standen. keith: mehrmals sind wir zum essen eingeladen worden. ein dutzend freigetränke. chris: das wars auch schon. wir bekamen mehr, nachdem wir unterschrieben hatten.
Lowdown: fühlt ihr euch als zugereiste von der new yorker szene akzeptiert? chris: wir denken, dass es jetzt unsere szene ist. michael: wir kamen 2001 nach new york. zur gleichen zeit brachten die strokes ihr erstes album raus. keith: zufall? nein. michael: die szene hat mit uns überhaupt erst angefangen. chris: sie können uns nicht mehr nur akzeptieren. uns gehört die szene.
(eigentlich betonen sie sonst gerne, dass sie nicht zu der szene gehören. denn sie hätten zu lange der obskurität von kaliformien gespielt. doch etwas einfluss gab es dann doch: laut keith waren sie früher waren eine punk band, die sich dann den tanzbaren beats von the rapture und den liars hingab.)
Lowdown: habt ihr als band einen bestimmten modestil? oder seid ihr ein buntes gemisch? chris: wir passen gut zusammen, weil unsere sachen ähnlich runtergekommen sind. wir waschen alle unsere sachen einmal pro jahreszeit. deshalb sehen wir aus, als wären wir in einer art uniform. tatsächlich ist es nur das resultat der »zweimal-duschen-pro-woche, trage die selben klamotten für 20 tage am stück«-taktik. keith: als wir losfuhren, war dies heißes pink (zeigt auf seine dunkelbraune jacke). chris: dies (zeigt auf michaels dunkelblaue jacke) war ein sehr schönes gelb wie ein gänseblümchen, wie eine kornblume. und meine jacke war albino schlangenleder (schwarze lederjacke).
Lowdown: keith, du hast englische literatur studiert. gibt es irgendwelche einflüsse, die daher kommen? der albumtitel »with love and squalor« ist ja von j.d. salinger. keith: ich habe es mehr aus der distanz studiert. ich glaube eher, dass ziggy-comics unser haupteinfluss sind. nein, im ernst, es gibt nicht wirklich einen literarischen einfluss in unseren songtexten. die texte beginnen meist eher phonetisch. wir verbinden silben und einzelne reime, die schon existieren.
Lowdown: eine textzeile in »nobody moves, nobody gets hurt« lautet ›i‘m probably making this up‹. wieviel an euch ist verstellung und schauspiel? keith: es ist 100 prozent schauspiel. er (zeigt auf michael) ist eine asiatische frau. und er (zeigt auf chris)... nun er ist wirklich einfach dieser Typ. er ist vollkommen authentisch. chris: durch und durch. keith: gib mir eine prozentzahl. chris: 62 prozent. keith: es ist 62 prozent schauspiel. chris: genauer gesagt 62,00000. wir arbeiten sehr präzise.
Lowdown: thema: humor und musik. manchmal klappt die verbindung, wie bei ben folds five. und manchmal ist man die barenaked ladies. keith: mit millionen von dollar auf der bank. aber sie dürfen es nicht anrühren. chris: ja, ihre eltern haben da ein auge drauf. Lowdown: habt ihr angst so zu werden? chris: unsere musik ist nicht witzig. ich glaube nicht, dass wir lustige songs haben. keith: wir sind lustige typen. chris: wir sind verdammt umwerfend komische typen. keith: wenn wir nicht auf der bühne sind, reden wir solchen stuss. chris: aber unsere musik ist nicht komisch. keith: das ist der unterschied. barenaked ladies haben witzige songs. aber versuche mal mit ihnen zu sprechen. chris: als ob man mit dem sensenmann spricht. michael: und ihre songs sind auch nicht wirklich lustig.
(einer schwangeren katze können die scientists ihr album-cover von »with love and squalor« verdanken. als michael auf den vierpfoter aufpasste, brachte sie kätzchen zur welt, die zwei monate lang den platz unter seinem bett ihr zuhause nannten. mit diesem nachwuchs machte das trio ein paar bilder. als dann der gestalter ihre album-covers absprang und der abgabetermin drohend über der band hing, entschied man sich einfach für die kätzchen-bilder.)
Lowdown: wem gehören die kätzchen auf dem albumcover? michael: sie gehörten mir. chris: wir haben sie weggeben, als sie alt genug waren. keith: ungefähr vor einem jahr. auf wiedersehen, kleine terroristen. chris: sie waren ein alptraum. michael: sie haben überall in meinem zimmer hingemacht. chris: ein privileg, das du nie hattest. michael: Ich habe es mal probiert...
Lowdown: wie hat der ruhm euer leben verändert? chris: wir sind arroganter als je zuvor. michael: menschen wollen mir dinge sagen, die ich nicht hören will. chris: mir wird gesagt, was ich besser machen könnte. warum sollte mir das wichtig sein? keith: wer seid ihr schon, dass ihr mir etwas sagen könnt. ich bin ein star. chris: kann ich bitte erst deine presseausschnitte sein, bevor du mir etwas sagst. keith: ruhm bringt uns geld und macht, über die nur wir verfügen. chris: außerdem hilft uns der ruhm bei mordverhandlungen vor gericht. obwohl alles gegen uns sprach, kamen wir frei.
Lowdown: wie snoop dogg. und was ist mit frauen... chris: frauen und kinder zuerst. erst bekommst du die frauen, dann die kinder. dann ruhen wir uns aus und trinken jahrzehntelang alkohol. wenn erst mal die kinder herumlaufen, dann ist die zeit, um sich richtig dem alkohol hinzugeben.
Lowdown: vor einigen wochen lief im abspann der fußball-tv-sendung sportschau »nobody moves, nobody gets hurt«. (lachen und jubilieren bei den scientists) wie steht ihr zu fußball? keith: wir nennen seit kurzem drei fußball-mannschaften unser eigen. chris: sie sind wenigstens profitabel. wir respektieren fußball. keith: Uns gehören die freiburg hawks... chris: die clemond-ferrand jazz squad. und die brummy keith: bunnies. chris: eigentlich bunnyhawks. wir nennen sie nur bunnies, weil es kürzer ist. yeah, uns ist fußball wichtig. denn wir haben halt ein geheimes interesse. keith: unser haus in malibu hängt von den brummy bunnies ab. die gewinnen dieses Jahr den titel.
Lowdown: auf eurer website ist viel unsinn wie das hier gerade. chris (lacht): wie kannst du es wagen? Lowdown: wer schreibt euer material? chris: kleines geheimnis: j.d. salinger. er betreibt die website. er muß mindestens einmal pro Woche ein update machen. er macht mehr als wir. eigentlich kann man auch nicht weniger machen. er steht nicht mehr so in der öffentlichkeit, will aber noch beachtet werden. und unsere website gibt ihm diese möglichkeit.
Lowdown: wer schreibt eure songs? chris: j.d. salinger. Lowdown: außer ihm? die songs, die nicht j.d. salinger feat. we are scientists sind. keith: wieviel müßte man bezahlen, um einen song unter dem titel rausbringen zu können? chris: ja, wir schreiben unsere eigene Musik hier bei we are scientists. meist ist es keith, der schreibt. das nächste album ist schon auf gutem wege.
(sänger keith hat einfache pop-songs im geist, die von drummer michael einen schrägen dreh im arrangement bekommen. produziert wurde „with love and squalor“ von ariel rechtsheid, dem sänger von foreign born.)
Lowdown: drei typen, new york. da fallen einem die beastie boys ein. die haben viel anderes neben der musik gemacht. etwas für euch? michael: und dann machen wir ein label auf, das pleite geht? chris: bankrottes label, ein magazin, das eingeht. man kann es so sagen: wir wollen die erfolgreichen beastie boys sein. wir wollen alles so wie sie machen, bis auf das scheitern. wir bewundern jede einzelheit ihrer karriere bis auf die tatsache, dass sie den bach runtergingen. das wollen wir vermeiden. aber sonst schauen wir uns einiges von ihnen ab.
Cranebuilders-Interview: Vergessene Schönheit
Eigentlich müssten die Cranebuilders aus Liverpool viel größer sein. Zu ihren Fans gehören Elbow-Sänger Guy Garvey und der leider zu früh verstorbene John Peel. Sänger Tom Roberts schrieb sogar schon mit Smiths-Gitarristen Johnny Marr ein paar Songs. Doch trotzdem wissen noch zu wenige von dem Quintett aus der nordenglischen Hafenstadt. In Deutschland gibt es nun seit kurzem das erste Album »Sometimes You Hear Through Someone Else«, das es im Doppelpack mit der EP zu »You‘re Song« gibt. Derweil machen die Cranebuilders schon weiter...
Lowdown: Ihr seid gerade im Studio. Wie weit seid ihr mit dem zweiten Album? Tom: Wir haben ungefähr dreizehn Lieder fertig. Ich weiß noch nicht, wann es rauskommen wird, aber es klingt sehr gut. Ich werde noch ein paar Gesangsspuren neu aufnehmen. Die Songs sind etwas lauter. Aber es ist wohl noch zu früh, um zu sagen, ob es vollkommen anders als das letzte Album sein wird. Wir haben gelernt, unsere Instrumente besser zu benutzen. Der Sound ist voller.
Lowdown: Wer produziert eure Songs? Tom: Wir arbeiten mit einem Typen namens Marcus Stross. Er lebt hier in der Gegend, wo wir herstammen in Liverpool. Wir halten es alles nah zusammen, arbeiten mit Leuten, die wir kennen. Wir haben nicht viel Geld. Unser Budget ist klein, deshalb haben wir im Studio alles in etwa sechs Tagen fertig gemacht.
Lowdown: Wieviel zahlt ihr also? Tom: Das Studio war nicht teuer. Vielleicht 150 bis 200 Pfund pro Tag. Aber wir haben nicht alle Aufnahmen im Studio gemacht. Wir haben Freunde, die zuhause ihre eigenen kleinen Aufnahme-Anlagen haben. Dadurch sparen wir Geld. Natürlich würden wir gerne mehr ausgeben.
Lowdown: Ihr macht viel selbst. Ist das mit Absicht oder ist es nötig, weil ihr einfach nicht das Geld habt? Tom: Natürlich auch wegen des Geldes, aber wir sind außerdem ziemliche Control Freaks. Wir wollen über alles informiert sein. Wir hatten das Glück, nette Menschen zu treffen, die uns helfen.
Lowdown: Wie schreibst du Songs? Wann bist du am kreativsten? Tom: Seltsamerweise, wenn ich glücklich bin. Die Lieder sind meist über reale Geschehnisse. Nicht unbedingt etwas, das mir passiert ist. Einfach Dinge, die Menschen passieren. Ich schreibe aber nicht, wenn ich in so einem Zustand bin. Also wenn ich niedergeschlagen oder klagend bin. Erst wenn das vorbei ist, denke ich mir, dass es gut wäre, mal wieder einen Song zu schreiben. Dann kommt alles raus. Aber es gibt keine feste Routine. Dafür bin ich nicht diszipliniert genug. Ich bin meist einige Tage unter dem Einfluss eines Buches, eines Konzerts oder eines Filmes. Nachdem ich dann einige Tage darauf rumgedacht habe, kommt etwas raus. Außerdem kann ich gut unter Stress arbeiten. Wenn wir eine Radio Session haben oder ins Studio gehen wollen. Ich bin bekannt dafür, dann etwas aus dem Stehgreif hervorzuzaubern.
Lowdown: Wo entstehen die Songs? Mit dir und einer Gitarre oder einem Klavier? Tom: Ja, ein großer Teil der Lieder begann so. Ich bringe sie zum Proberaum und spiele es dem Rest der Band vor. Oder ich nehme ein Demo auf und gebe es allen. Matt der Bassist bringt kleine Musikstücke mit, die noch nicht vollständig arrangiert sind, aber schon etwas Struktur haben. Diese werden meist hervorragend. Sonst probieren wir etwas im Proberaum herum. Jeder macht etwas. Nur auf dem ersten Album war es so, dass die meisten Songs von mir sind.
Lowdown: Welche Emotionen sind mit den Songs verbunden? Tom: Die neuen Lieder haben mehr Energie, gehen etwa in die Richtung von »Public Space«. Wir stecken mitten in den Aufnahmen. Da erscheint alles vollkommen anders als bei der ersten Platte. Es gibt einen Fortschritt, die Lieder sind stärker. Wir können uns etwas mehr ausleben. Als wir anfingen, Musik zusammen zu machen, haben wir in einem kleinen Raum geprobt. Mit Nachbarn um uns herum. Unser Drummer Stephen hatte Besen an seinen Drumsticks. Wir konnten nur mit kleinen Verstärkern spielen, weil wir die Nachbarn nicht stören durften. Als wir dann größere Gigs gespielt haben, kam das nicht so gut rüber. Jetzt haben wir einfach mehr Platz, mehr Ausrüstung, einen anderen Gitarristen.
Lowdown: Wenn ich euer Album höre, fällt mir auf, dass die Lieder zwar ruhig sind, aber sehr intensiv. Siehst du das ähnlich? Tom: Ja, ich konnte nie verstehen, warum uns die Leute für ruhig hielten. Ich weiß, wir sind ruhig und wir spielen ruhige Lieder. Aber ich hielt uns nie für eine von diesen Pstpst, seid alle ruhig-Bands. Textlich ist es nicht zerbrechlich, sondern rauh und griffig. Es handelt von intensiven, zwischenmenschlichen Situationen. Das muß nicht negativ sein. Aber Alltag halt: Ärger, Langeweile, Frustration. Das kommt dann einfach raus. Diese Intensität hat es. Es ärgert mich, wenn wir mit ruhigen Popbands verglichen werden.
Lowdown: Ich entdeckte euch für mich, als John Peel euer Konzert beim Eurosonic-Festival in Groningen spielte. Tom: Das war großartig, weil wir John Peel vor dem Gig trafen. Er lud uns zum Essen ein. Das Bier ist ziemlich stark in Holland und wir hatten eine gute Zeit. Ich bin nur froh, dass die Performance gut klappte. Es war einschüchternd. Wir hatten nicht unsere Ausrüstung dabei. Und dann spielten wir auch noch vor John Peel, den wir alle sehr verehrten. Das war schwierig. Einer der Songs, die wir damals gespielt haben, wird vielleicht auf dem neuen Album sein. Er heißt »Casualty«. Aber inzwischen klingt es vollkommen anders. Wir haben es geändert, wahrscheinlich werden wir sogar den Text umschreiben.
Lowdown: Vor einiger Zeit fand ich in einem Laden, das »Eight Songs«-Minialbum. Ich habe gelesen, dass es davon nur 300 Stück gibt. Erzähl mir die Geschichte dieser Veröffentlichung. Tom: Unglaublich, dass du das hast. Ich selbst habe vielleicht noch zwei davon. Das sollte eigentlich das erste Album sein. Wir haben damals mit einem Plattenlabel in Liverpool gearbeitet, das gerade anfing. Wir haben Dan von Earworm ein paar Demos gegeben und er wollte eine Single rausbringen, aber das funktionierte nicht so richtig. Also hatten wir diesen Haufen Songs zusammen getan. Wie eine etwas größere EP. Wenn nichts passiert, wollten wir sie halt selbst veröffentlichen. Ein anderes Label aus Liverpool wollte es rausbringen. Etwas mehr als sechs Monate lief es alles sehr gut. Doch dann haben sie uns einen Vertrag vorgelegt. Gebt die Kontrolle für euer Leben für die nächsten 25 Millionen Jahre an uns ab. Ich sagte: Moment mal. Wir haben mit euch die letzten sechs Monate als Freunde verbracht. Danach war das Klima kaputt. Keine Seite wollte nachgeben und nichts kam dabei raus. Dann kam Mike Cloud von Devil in the Woods. Er mochte uns und bat uns um Demo-Aufnahmen. Nachdem ich ihm diese schickte, fragte er mich, ob es in Ordnung wäre, wenn er die Lieder rausbringen würde.
Lowdown: Ihr beschreibt euch als losgelöst von der Liverpooler Musik-Szene. Was meint ihr damit? Tom: Matt hat das geschrieben. Ich sah das immer anders. Das ist keine bewusste Entscheidung, uns von anderen Bands loszulösen. Ich finde einfach, dass wir nicht wie die anderen Bands aus Liverpool klingen. Wir haben nicht viel mit ihnen gemeinsam, obwohl ich die anderen getroffen habe und kenne. Ich habe vor kurzem Shaun von den Zutons in einem Second-Hand-Record-Shop getroffen und dann reden wir halt. Er ist ein guter Freund meines Bruders. Aber wir hängen nicht zusammen ab. Ich habe Kontakt mit einem akustischen Duo namens Hokum Clones. Das liegt daran, dass Danny der Gitarrist mein Bruder ist. Es gibt aber nicht wirklich eine zusammenhängende Szene. Journalisten riefen mich an und fragten, was ich von bestimmten neuen Platten hielt und ich konnte ihnen nur sagen, dass ich nicht wirklich etwas darüber weiß. Dann habe ich mich schuldig gefühlt.
Lowdown: Wie ist die Liverpooler Szene heute? Tom: Es gibt Hunderte von Bands. Viele Avantgarde-mäßige Gruppe und natürlich viel klassische Rock‘n‘Roll-Musik. Mir gefällt die Szene. Ich finde, dass es jetzt stärker ist als damals. Es gibt viel mehr experimentelle Bands. Zum Beispiel die Band Mugstar. Es ist ziemlich heavy, aber es ist gut und einfach anders. Fast seltsam, dass so etwas aus Liverpool kommt. Sonst gibt es viel Americana. Ich war bei einem Konzert in einem Haus. Die Band spielte im Wohnzimmer. Leute laden ihre Freunde ein. Alles sehr eng beisammen. Das nennt sich Americana UK. Dann gibt es noch einen neuen Club namens Korova Bar, wo wir bald auftreten. Der wird von den beiden Männern von Ladytron, Danny und Ruben, betrieben. Da kommt viel Seltsames und Wunderbares. Aber ich komme selbst selten raus. Wir proben viel. Ich sollte nicht zu rührseelig wegen Liverpool werden. Es ist eine tolle Stadt. Es hat einige seltsame Aura. Die Stadt ist so berühmt, aber eigentlich ist sie klein und hat eine ruhige Mentalität. Wenn ich gute Laune habe, gefällt mir das. Wenn nicht, hasse ich diesen Ort.
Lowdown: Was ist Guy Garveys Rolle bei den Cranebuilders? Fan? Kleines Bandmitglied, weil er auf zwei Liedern der ersten Platte im Hintergrund sang? Tom: Er hatte mit dem Schreiben der Songs nichts zu tun. Er sang im Hintergrund, was klasse war. Mit Guy ist das so: Er hat uns bei unserem zweiten Gig überhaupt gesehen. Danach hat er uns immer wieder gelobt. Wir spielten im Night and Day-Café in Manchester, als Elbowgerade ihr erstes Album fertig hatten. Ich kannte sie durch das Lied »Newborn«. Er kam zu uns und sagte, dass er unseren Sound mag und fragte nach Demos. Am nächsten Tag hatte ich dann eine Nachricht von Guy auf meinem Anrufbeantworter: »Ich kann diesen verdammten Song nicht mehr aus dem Kopf bekommen.« Er ermutigte uns, die Songs rauszubringen. Davor wollte uns keiner hören, keiner gab uns eine Chance. Zu der Zeit haben wir nicht mal einen Gig in Liverpool bekommen. Wir waren sehr leise. Und Guy ist ja auch bei Skinny Dog Records involviert, die unsere Platte rausgebracht haben.
Lowdown: Du hast einige Songs mit Johnny Marr geschrieben. Erzähl mal, wie das war. Wie kam das? Tom: Unser damaliger Manager macht das Design für das erste Album von Johnny. Und dann hat Johnny erzählt, dass er ein neues Album macht und fragte mich, ob ich mit ihm Songs schreiben würde. Nur die Texte, er hat die Musik und die Melodien schon gemacht. Ich weiß gar nicht, was damit passiert. Ich war bei der Manchester Against Cancer-Veranstaltung in einer Arena. Johnny spielte ein paar Smiths-Lieder, aber auch ein Lied, das ich mit ihm geschrieben habe. Er hat den Text etwas umgeschrieben. Was ich für eine gute Idee hielt. (lacht). Er hat aber das Konzept des Textes bewahrt.
Im April kommen die Cranebuilders auf Deutschland-Tour.
Die Daten: 27. April Hamburg Astra Stube 29. April Frankfurt Das Bett 30. April Langenau Cafe Kapillo 1. Mai Leipzig Früh Auf 2. Mai Erfurt Museumskeller 3. Mai Köln Subway 5. Mai Dresden Groove Station 6. Mai Berlin Bastard
Interview Goldrush: James Blunt Should Be Killed
Die Geschichte der Band Goldrush zeigt wie schnell man vom Schnell-Hype der Vergangenheit zum äußersten Rand der Obskurität gelangt. So tauchten beim kleinen Gig in der Astra Stube nur 20 verlorene Seelen auf. Der Laune der Band tat dies aber keinen Abbruch. »Ich bin in der Stadt der Beatles«, sagt Sänger Robin Bennett. »Ich freue mich einfach.« Seit dem Film Backbeat habe er schon immer einmal nach Hamburg reisen wollen. Beim Schaufenster-Konzert im Michelle Records spielte die Band dann auch »Saw Her Standing There«. Und Bennett stand breit grinsend auf der kleinen Bühne.
Kurz zuvor hatte ich mit ihm in einem Café um die Ecke gesessen und über die Vergangenheit und die Zukunft von Goldrush gesprochen. Bennett lästert über Major Labels und erinnert sich an ein Debüt-Album, das großartig hätte sein können, aber dann doch in der Vergessenheit versank. Unter Mithilfe des Labels. Mit dem nächsten Album wolle man endlich das Potenzial voll ausreizen, das man auf dem zweiten Longplayer »Ozona« andeutete.
Lowdown: Du hast mir gesagt, dass du Hamburg stets mit den Beatles verbindest. Sind sie ein Einfluss auf deine Musik oder sind sie mehr der Grund, warum du anfingst, Musik zu machen? Robin Bennett: Bis ich zwölf Jahre alt war, habe ich keine Platte von irgendjemand anders gehört. Als ich Gitarre spielen lernte, hatte ich ein Buch mit allen Beatles-Liedern, aus dem ich viel gelernt habe. Ich mochte sie schon immer. Aber hauptsächlich weil mir die Melodien gefielen. Doch dann später entdeckte ich ihre anderen Seiten kennen: die musikalische Experimente und die kulturelle Seite. Ich bin Musiker geworden, weil mir die Kombination aus Musik, Kunst und Literatur gefiel. Und die Beatles haben immer viel ausprobiert. Es ging nie nur um die Musik. Paul McCartney machte die Musik auf diesen verrückten Pink Floyd-Parties. Sie förderten Kunstausstellungen.
Lowdown: Ihr seid ja auch ziemlich vielseitig: Ihr betreibt ein Label, organisiert ein Festival und habt ein Studio. Alles bekannt unter dem Namen Truck. Wie viel Zeit investiert ihr in diese Unternehmungen? Robin Bennett: Wir haben nicht mehr die Zeit, alles selbst zu machen. We haben Leute, die das für uns erledigen. Garo und ich sind die einzigen, die noch im Studio arbeiten. Joe ist nach New York gezogen. Hamish hat Kinder. Drei Leute betreiben das Label für uns. Ich gehe von Zeit zu Zeit zu Meetings und schlage Bands vor.
Lowdown: Wenn ihr Bands unter Vertrag nehmt, worauf achtest du? Robin Bennett: Ich mag einfach gute Songs. Viele verschiedene Dinge. Ich bin da wirklich schwer auszurechnen. Was am wichtigsten ist, ist, dass die Bands viel selber machen wollen. Sie sollten nicht erwarten, dass alles für sie bereit gelegt wird.
Lowdown: Was ist die Philosophie hinter dem Label? Robin Bennett: Meine Vorstellung von Truck ist, dass es eine Firma für Bands ist, die wirklich existieren wollen. So werden wir etwa das neue Album von Electric Soft Parade veröffentlichen. Sie waren auf einem Major Label, aber wurden fallengelassen. Doch sie wollten noch Musik machen. Das Label bietet dir gewisse Dinge: CDs pressen, Vertrieb und so. Aber die Bands müssen erst ihren Teil dazu beitragen. Hier ist kein Platz für Bands, die alles für sie erledigt haben wollen. Um ehrlich zu sein, sollte eine Band dann gar nicht mehr existieren, wenn das so wäre.
Lowdown: Was ist anders, wenn man auf einem Major Label ist? Robin Bennett: Als wir noch bei Virgin waren, wurde alles für uns gemacht. Doch bald fiel mir auf, wie schrecklich das ist. Einmal war ich in einem Meeting mir den Video und Artwork-Leuten. Und während ich da war, rief Victoria Beckham, also Posh Spice, an. Und sie redete davon, dass sie jetzt einkaufen ginge. Außerdem gab es für uns noch zwei Typen, die die »Design Guys« waren. Sie wollten uns einen gewissen Look verpassen. Sie hatten da so einige Ideen für Klamotten. Vielleicht ein paar Jeans. Und dann wollten sie mit uns dieses Foto machen, wo wir wie die Stone Roses aussehen sollten. Es war furchtbar. Es ist wirklich traurig, wenn eine bewusst wird, dass es diesen Leute immer nur um die Verpackung geht. Egal, was der Inhalt ist. Sie verkaufen alles. Dabei haben sie keine Ahnung von Musik.
Lowdown: Die Musik ist bei vielen Künstlern wohl nicht so wichtig. Robin Bennett: Nicht wirklich, oder?
Lowdown: Ein gewisses Image wird hergestellt, um es der Masse zu verkaufen. Robin Bennett: Es ist ziemlich spannend. Doch sogar der Indie Style ist ein Image wie jedes andere, das sich verkaufen lässt. Man kann auch Punk gut vermarkten.
Lowdown: Preston von den Ordinary Boys war in England bei Celebrity Big Brother. Und kurz danach war ihre Single »Boys Will Be Boys« in den Top 3. Ich habe mich gefragt: ist es wirklich so einfach? Robin Bennett: Ich habe genau das gleiche gedacht. Ab jetzt gibt es wohl keine Grenze mehr. Aber kann ihn überhaupt dafür kritisieren? Ich weiß nicht. Vielleicht nicht. Scheiß drauf. Vielleicht gehe ich bald da rein.
»Wenn du James Blunt oder Daniel Powter bist, solltest du getötet werden.«
Lowdown: Ist das etwas, das du machen würdest, um mehr Platten zu verkaufen? Robin Bennett: Ein Mädel, das bei meinem Label hat mir vorgeschlagen, doch auch ins Big Brother-Haus zu gehen. Jack White schreibt ja auch ein Lied für Coca-Cola und Preston geht zu Celebrity Big Brother. Was ist die Rolle eines Musikers? Ist sie sich allem zu verweigern oder ist sie alles zu versuchen, um in eine Position zu kommen, auf der du die Menschen beeinflussen kannst? Denn wenn du Musik schreibst, die Menschen helfen kann und sie dann aber keiner hört, dann verschwendest du deine Zeit. So lange du etwas tust, woran du glaubst, ist es in Ordnung. Wenn du aber James Blunt oder Daniel Powter bist, solltest du getötet werden. Ich war vorhin in einem Café und dort wurde Daniel Powter gespielt. Da wird mir einfach schlecht.
Lowdown: Ich habe gelesen, dass euer Song »Feel« bei The OC verwendet werden soll. Robin Bennett: Ich bin gar nicht, ob es schon passiert ist. Sie haben uns zumindest gefragt, ob sie es verwenden können. Ich mag The OC. Die erste Staffel ist großartig. Mir gefällt die Serie, weil eine Indie-Figur im Zentrum steht, die Indie Musik hört. Ich stelle mir dann vor, dass ich auch eine heiße Freundin haben könnte.
Lowdown: In der Serie spielen viele Bands kleine Konzerte. Robin Bennett: Ja, sie hatten mal The Thrills in der Sendung. Ich habe sie vor kurzem in Los Angeles getroffen. Sie sind nette Kerle. Sie haben bei Virgin unterschrieben, kurz nachdem wir das Label verlassen hatten. Sie haben uns quasi ersetzt. Aber das habe ich ihnen vergeben. Sie sind in LA auch zu unserem Konzert gekommen.
Lowdown: Wie siehst du eure Vergangenheit bei Virgin und das Debüt-Album »Don’t Bring Me Down«? Robin Bennett: Um ehrlich zu sein, fühlt es sich an, als ob es jemand anders gemacht hätte. Ich werde es mir wahrscheinlich in ein paar Jahren anhören und denken: oh, es ist ganz okay. Aber ich denke, dass es viel besser hätte sein sollen. Wirklich. Es klingt zu zahm. Damals wollten wir wie The Band auf dem Brown Album klingen. Das hat nicht wirklich funktioniert. Nur manchmal. Eigentlich wollten wir das Album mit Dave Fridmann (Produzent der Flaming Lips) aufnehmen, aber das hat uns Virgin nicht erlaubt. Sie sagten, ja ja, aber warum nehmt ihr nicht lieber Dave Eringa. Sie wussten, dass Fridmanns Platten großartig sind, aber keine hat jemals mehr als 100.000 Stück verkauft. Nun wir haben 200.000 verkauft, aber sie wollten eine Million absetzen.
Lowdown: Glaubst du, dass das Album anders geworden wäre, wenn ihr nicht auf einem Major gewesen wärt? Robin Bennett: Als es herauskam, war es schon zu spät. Denn einen Monat nachdem wir den Plattenvertrag unterzeichneten und mit den Aufnahmen anfingen, wurde unser A&R-Mann gefeuert. Und da wusste ich, dass es nicht gut laufen würde. Wenn er geblieben wäre, wäre es anders gemixt worden. Stattdessen machten es die Leute, die dafür verantwortlich sind, die Songs dem Radio schmackhaft zu machen. Ihnen geht es nur um Hörerfreundlichkeit. Wir wurden dann zwar auch im Radio gespielt, aber sie wollten, dass wir sofort riesengroß würden. Wie Coldplay. Das führt manchmal in die falsche Richtung. Und man hat am Ende keinen Ausweg mehr.
Lowdown: So arbeiten Plattenfirmen leider. Sie sehen, was Erfolg hat und versuchen es zu kopieren. Coldplay und Travis waren groß, als ihr von Virgin unter Vertrag genommen wurdet. Robin Bennett: Genau. Darum bekamen wir den Vertrag. Virgin hat uns genommen, weil ihnen einige Aufnahmen gefielen, die wir in meinem Schlafzimmer gemacht hatten. Und dann sagten sie uns, dass wir in diesen teuren Studios aufnehmen sollten. Und es klangt scheiße. Weil wir so nicht unsere Musik machen. Sie wollen dir nicht zugestehen, dass es gut ist, wie du es machst. Sie denken, alles müsste so klingen wie James Blunt oder so. Es ist schreckliche, blechernde Musik.
Lowdown: Haben sie eure Musik manipuliert, damit sie einen bestimmten Sound hat? Robin Bennett: Nicht einmal das. Denn der Typ, der das machen sollte, wurde ja gefeuert. Es gab einfach keinen mehr für uns. Sie haben nicht auf unsere Anrufe reagiert. Unser neuer A&R-Mann hat sich nir unser Album angehört. Es war dieser Franzose. Ich habe vielleicht einmal fünf Minuten lang mit ihm gesprochen. Das muss man sich vorstellen: Er war unser A&R-Mann. Aber nun ist er auch gefeuert worden. Geschieht ihm recht. Solche Leute sollte man töten. Ich weiß, dass er Musicweek, das Magazin der englischen Musikindustrie angerufen hat, und ihnen gesagt hat, dass sie nicht über unser Album berichten sollen. Dieser Typ sollte eigentlich für uns arbeiten. Sie mussten unser Album veröffentlichen, weil es einen Vertrag gab. Daher haben sie es wissentlich sabotiert, damit es sich nicht verkauft. Als unsere Single im Radio gespielt wurde, haben sie die Veröffentlichung um drei Wochen nach hinten verschoben. Und dann war sie nicht mehr im Radio. Es war schrecklich. Aber es hat mir auch die Augen geöffnet und ich habe mir gesagt, dass mir so etwas nie mehr passieren sollen. Deshalb wird jetzt alles von Leuten gemacht, die ich respektiere.
Lowdown: Würdest du jemals wieder bei einem Major unterschreiben? Robin Bennett: Ich denke nicht. Bei City Slang ist es wie in einer Familie. Man umarmt sich. Es ist einfach großartig, sie zu sehen. Niemand würde so bei einem Major sein. Da ist alles Fake. Man kann auch so viel selbst machen.
»Mark Gardener hat einen wirklich schockierend schlechten Manager.«
Lowdown: Sprechen wir über einen anderen Teil eurer Geschichte. Ihr habt mit Mark Gardener (Ex-Sänger von Ride) eine Platte aufgenommen und seid mit ihm getourt. Wie ist es Ride-Songs zu spielen? Waren sie ein Einfluss auf eure Musik? Robin Bennett: Ich hatte mal diese Kassette. Auf der einen Seite war »After The Goldrush« und auf der anderen das erste Ride-Album. Ich mochte es wirklich gerne. Bei unseren ersten Proben mit Mark haben wir viele Ride-Lieder gespielt. Danach haben wir aber hauptsächlich an seinem neuen Material gearbeitet. Um ehrlich zu sein, habe ich inzwischen die Nase voll, Ride-Songs zu spielen. Ich spiele außerdem noch in einer anderen Band namens Dusty Sound System. Da spielt Laurence Colbert von Ride am Schlagzeug.
Lowdown: Werdet ihr in der Zukunft noch mit Mark arbeiten? Robin Bennett: Erst einmal muss sein Album veröffentlicht werden. Denn es ist schon seit einem Jahr fertig. Es ist in den USA auf dem Markt, aber sonst nirgendwo. Er hat einen wirklich schockierend schlechten Manager. Wir sagen ihm immer wieder, dass er den rauswerfen soll. Sein Manager könnte nicht einmal ein Besäufnis in einer Brauerei organisieren. Es gibt so viele leidenschaftliche Ride-Fans überall in der Welt. Aber die können das Album nicht kaufen. Ich habe Mark gesagt, dass ich es veröffentlichen kann. Ich bräuchte nicht einmal eine Woche, um Labels dafür zu finden. Aber nein. Er besteht darauf, dass es sein Manager macht. Und der schafft nichts. Es ist schade, weil wir viel Arbeit in das Album gesteckt haben. Zwei Jahre. Und ich habe drei Monate in den USA gelebt. Uns gefällt es und wir wollen, dass es rauskommt. Aber immer noch nichts. Sehr ärgerlich.
Ein Nirgendwo namens Ozona
Bereits seit einiger Zeit ist dagegen Goldrushs eigenes Album »Ozona« auf dem Markt. Es begann als EP, die später zu einem vollen Longplayer wurde. Dafür wurde das »Extended Play«-Mini Album hinzugefügt und einige neue Songs aufgenommen. »Das Mini Album war sehr dunkel«, sagt Robin. »Das nahmen wir auf, als wir bei Virgin rausflogen. Es war schlimm, aber auch kreativ. Zudem verließ mich damals auch noch meine Freundin.« Alles kam zusammen. Doch die Krise löste eine Blockade. Die Lieder sprudelten hervor. »Die Band war sehr bemüht«, erzählt Robin. »Bei den Aufnahmen haben wir kaum miteinander geredet. Ich glaube meine Bruder hat überhaupt nicht mehr mit mir gesprochen.« Bald darauf folgte die zweite formende Erfahrung der Band. Auf dem Weg von Los Angeles zum SXSW-Festival in Texas hatte ihr Lieferwagen im Nirgendwo namens Ozona eine Panne.
Robin Bennett: Es war eine winzige Stadt. Es gab nur eine Bar und die war voller Rednecks. Texanische Good Old Boys. Und einer von ihnen sagen: Hey, habt ihr jemals geschossen? Also stiegen wir mit drei verrückten Typen um Mitternacht in ihre Pick-Ups. Einer sah aus wie John Wayne. Und dann fuhren wir erst einmal eine halbe Stunde. Mitten in die Wüste. Im absoluten Niemandsland. Und da taucht ein Typ auf. In der einen Hand hat er ein Bier, mit der anderen schießt er aus seinem Auto heraus. Wir hielten an und alle schossen auf Dosen. Sie hatten wirkliche beängstigende Ansichten. Und wir fragten uns nur, was passieren wird. Aber irgendwie war es schön. Denn diese Typen umarmten sich. Und sie wussten nicht, wie sie etwas ausdrücken sollten. Sie konnten sich nur sagen, dass sie sich lieben, indem sie übers Schießen redeten. Danach haben sie uns wieder in die Stadt gebracht. Alle unsere amerikanischen Freunde sagten uns danach nur, dass wir niemals hätten mitfahren sollen. Als wir dann nach einem Titel suchten, haben wir Ozona gewählt, weil es mit einer guten Geschichte verbunden ist. Und es ist eine Sammlung von vielen Dingen und Ozona klingt so, als wäre das Wort eine Sammlung verschiedener Dinge.
Lowdown: Wenn ihr Songs schreibt, wie funktioniert das? Robin Bennett: Es ändert sich ständig. Bei vielen Liedern auf Ozona war ich bis zur letzten Minute nicht fertig. Wir hatten ein paar Akkorde und einen Riff. Bei »Come on Come on« war ich nicht mit dem Text fertig, als wir aufnahmen. Ich musste sie ganz schnell abschließen. Wir waren schon mit Dave Fridmann im Studio. Aber das ist eigentlich eine schreckliche Arbeitsweise. Auch wenn es den Songs eine gewisse Portion Adrenalin gibt, ist es dumm. Ein amerikanische Freund namens Danny hilft mir oft, Lieder zu Ende zu schreiben. Ich schreibe viel mit unserem Gitaristen Garo.
Lowdown: Wo schreibt ihr? Robin Bennett: Ich schreibe gerne spät am Abend. Bleibe die ganze Nacht auf und trinke Whiskey. Aber man darf nicht zu betrunken werden. Aber nüchtern kann man auch nicht sein. Ich trinke Whiskey und Kaffee, um auf die richtigen Gedanken zu kommen. Es ist schön, wenn man Wörter zusammenbringt, die sonst eigentlich nicht passen.
Lowdown: Wer ist alles am Songwriting-Prozess beteiligt? Robin Bennett: Wir haben früher viele Lieder live aufgenommen. Aber dann ist es schwer, dass jeder etwas eigenes dazu beiträgt. Für das nächste Album wollten wir eigentlich alles live einspielen, aber es funktioniert nicht. Es war eine Katastrophe. Stattdessen nehmen Garo und ich jetzt die Songs auf und dann kommt der Drummer und nimmt seine Teile auf. Und dann kommt mein Bruder und fügt Trompete, Violine oder andere Instrumente hinzu. Und so scheint es zu klappen. Es ist etwas verkehrt herum, aber so war es auch nicht geplant.
Lowdown: Wie ist es, einen Bruder in der Band zu haben? Robin Bennett: Es fällt schwer, das Ganze positiv zu halten. Denn es ist immer sehr intensiv, ständig mit seinem Bruder zusammen zu sein. Man hat eine kombinierte Energie, die sehr stark sein kann. Wir bringen beide viel ein. Man will sich aber nicht übernehmen. Man muss verschiedene Sachen machen, denn man sollte es nicht zu einem Wettstreit werden lassen. Weil Brüder immer miteinander konkurrieren. Wie bei Oasis, aber das ist es ziemlich ausgeglichen, weil Liam der Sänger ist. Ich habe mal diese TV-Sendung über Brüderpaare gesehen: Mark Knopfler und sein Bruder, Dave Davis. Und fast keiner kam wirklich gut miteinander aus. Einer hasste am Ende immer den anderen. Es war schrecklich. Die einzigen, die sich gut verstanden, waren Sparks. Und die sind verrückt.
Lowdown: Ihr hattest in eurer Bandgeschichte schon unheimlich viele Produzenten. Wen und warum? Robin Bennett: Wir hatten Dave Eringa (Manics, Ash, Idlewild). Er ist ein netter Kerl, aber er ist ein schrecklicher Prodzent. Sogar bei Liedern, die Indie-Songs sein sollen, fügt er den Gesang aus hundert Aufnahmen zusammen. Wie bei Idlewild. Man denkt, oh das ist Indie, sie sind bestimmt nur ins Studio gegangen und haben es aufgenommen. Aber das ist Quatsch. Es ist schockierend. Ich konnte es kaum glauben. Außerdem haben wir mit Phil Vinall (Elastica, Das Pop, Placebo, Snow Patrol) aufgenommen. Ein toller Typ, leicht verrückt. Er hat »Pure Morning« von Placebo produziert. Aber ich fand, dass sein Stil für uns furchtbar war. Denn er mag es, alles auseinander zu nehmen und manchmal bekommt er es nicht mehr wieder zusammen. Dann hatten wir noch Lenny Franchi (Tricky, The Music). Auch sein Stil passte nicht so recht. Seine Aufnahmen sind gut, aber mir gefällt sein Mixing nicht. Zuletzt waren wir mit Rob Campanella im Studio. Er ist ein sehr entspannter Kalifornier. Rob spielt in einer Band, die wir The Byrds klingen. Und bei Brian Jonestown Massacre. In seiner Studio hat er so viele alte Ausrüstung. Es ist ein winziger Raum in seinem Haus. Der Control Room ist sein Schlafzimmer. Es ist Kalifornien, es ist sonnig. Dort haben wir »Feel« aufgenommen. Wir durften seine Gitarren benutzen. Alle spielten Rickenbackers auf diesem Song. Außerdem haben wir noch mit Dave Fridmann, Jon McLoughlin und einigen anderen gearbeitet.
Lowdown: Was für eine Produzenten wollt ihr für die nächste Platte? Robin Bennett: Wir haben schon einige Songs aufgenommen und dabei schon wieder mit etwa zehn Produzenten gearbeitet. Wir wissen selber, wie es geht, deshalb sind wir schwer zu produzieren. Bei allem wollen wir mitreden. Ich streite mich ziemlich viel. Wir haben mit Ron Woolshire, mit Rob Campanella, mit Kevin Mahn in New York, und mit Rowland Prytherch aufgenommen. Ich will unbedingt ein Lied mit diesem Typen namens Pedro machen. Er ist ein Dance-Produzent. Wie Fourtet. Es wird interessant sein, etwas ganz Neues auszuprobieren.
Lowdown: Du hast mal »Ozona« als die dunkle Seite der Band bezeichnet. Wird das neue Album heller? Robin Bennett: Nicht unbedingt. Seit Ozona schreiben Garo und ich die meisten Songs. Wir kapseln uns bewusst von Normalitäten ab. Es ist immer sehr intensiv und wir wollen, dass die Musik intensiv ist. Ob nun fröhlich oder dramatisch. Musiker sollten diese Seite erforschen. Sie sollten nicht Songs schreiben, wie »I had a bad day«. Das werde ich nicht tun. Und wenn das den Leuten nicht gefällt... Aber die meisten Songs, die wir gemacht haben, gefallen den Leuten. Sogar mehr. Denn jeder hat eine gefühlsintensive Seite. Auch wenn die Lebenweise der meisten Menschen nichts außer durchschnittlicher Gefühlintensität erlaubt. Aber Menschen erleben Verzweiflung und Erleichterung. Sehr gegensätzliche Emotionen. Aber die Medien erkennen das nicht. Und sie behandeln dich, als ob du krank seist. Ich finde nicht, dass Celebrity Big Brother genug ist, um den Verstand der Leute zu befriedigen. Man hört ein Stück Musik und ist davon bewegt, also muss es etwas sehr Profundes darin geben.